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Ich bin über die Zen-Weisheit „Meditiere 20 Minuten täglich, es sei denn du hast keine Zeit, dann meditiere eine Stunde“ gestolpert. Und, so paradox es klingen mag, ich kann bestätigen: unterm Strich schlägt Muße die Zeit.

Beim meditieren schlägt Muße die Zeit

Die Meditation hat schon lange die Mottenkiste der Esoterikszene verlassen. Viel mehr noch, ich habe den Eindruck, als würden alle erfolgreichen Menschen meditieren. Doch was hier gerade als Trend daherkommt, wird in Indien schon seit 2000 Jahren praktiziert. Wenn schon Buddhisten vor so langer Zeit das Verlangen hatten ihren Geist zu beruhigen und die Konzentration zu schärfen, frage ich mich, warum wir bei uns nicht schon in der Grundschule damit anfangen?

Wir sind so am Ackern und Machen und Erfüllen von Erwartungen, Anforderungen, Zielen, dass oft keine Zeit bleibt, den eigenen Sinnen und Bedürfnissen zu folgen. Ohne Frage liebe ich die Technik und die Möglichkeiten, die sie bietet. Erschreckt stelle ich aber auch immer wieder fest, dass wir uns zu digitalen Zombies entwickeln, wenn wir damit nicht bewusst umgehen.

Warum Meditieren gerade jetzt so wichtig ist

Die Reiz- und Informationsüberflutung sind der absolute Stress für unsere Gehirne. Meditation ist wie eine Pause-Taste in unserem Multitasking-Alltag. Sie verlangsamt die Gehirnwellen, sozusagen Wellness für unser Gehirn.

Und nicht nur dort wirkt sich das Meditieren positiv aus. Unser gesamter Körper und unsere Stimmung profitieren davon: der Blutdruck wird gesenkt, das Immunsystem gestärkt und die Durchblutung gefördert. Wissenschaftler haben auch nachgewiesen, dass bestimmte Gehirnareale zur Erneuerung angeregt werden.

Diese 12 Vorteile entstehen beim meditieren:

  1.  Präsenz im Hier & Jetzt
  2.  Entspannung des Geistes
  3.  Beruhigung des Körpers (Herz-/Kreislaufsystem, Muskelentspannung)
  4.  die innere Stimme, die Intuition, wird lauter
  5.  Aufmerksamkeit steigert sich
  6.  Gefühl von Selbstkontrolle stellt sich ein
  7.  eigene Gedanken beobachten können
  8.  Ruhe in sich selbst finden
  9.  bei sich ankommen, Aufmerksamkeit von Außen nach Innen lenken
  10.  verändert das Gehirn positiv (verlangsamt den Alterungsprozess)
  11.  kurbelt die Kreativität an
  12.  verbessert den Schlaf

Wir sind nicht unser Denken

Es gibt Situationen, in denen es gut ist zu denken und es gibt solche, in denen es besser wäre, es nicht zu tun. In unserem Alltag sind wir meist sehr kopflastig unterwegs, vor allem ist es bereits Automatismus. „Es“ denkt uns.

Bei der Meditation können wir die Erfahrung machen, dass wir nicht das Denken sind. 

Der Verstand ist ein Teil von uns. Doch wir sind nicht unser Verstand! Kennst du auch solche Situationen, in denen es nicht so läuft wie gewünscht und dann finden wir uns zu alt, zu dumm, zu langsam, zu irgendwas. Und unser Verstand kreist dann um dieses „zu irgendwas“. Aller Wahrscheinlichkeit nach folgen auf diese Gedanken nicht so besonders schöne Gefühle.  Wenn ich denke, ich bin zu alt, fühle ich mich traurig. Glaube ich zu langsam zu sein, werde ich wütend usw.

Ich habe festgestellt, dass ich nach regelmäßigem Meditieren eher schnalle, dass ich in so einer negativen Gedankenspirale hänge. Und wenn ich es bemerke, kann ich mich entscheiden, etwas anderes zu denken. Je mehr Übung, desto schneller bekomme ich mit, wenn ich mich gerade wieder mal „traurig denke“.

Generell bringt die Stille und der Fokus auf die Atmung – und somit auf den Körper – wieder zurück zu uns selbst. Durch das Schlüpfen in die Beobachterrolle erkennen wir  im Alltag viel besser, wo wir gerade nicht bei uns sind und was uns eigentlich stresst. Wir können nur ändern, was wir kennen.

Meditieren muss nicht kompliziert sein

Klar, du kannst dich am kleinen Finger für zwei Stunden an die Deckenlampe hängen und dabei ein Mantra summen, um den Geist in andere Sphären zu bugsieren. Musst du aber nicht.

Folge nicht starren Meditationsregeln, sondern deinem eigenen Flow. Wenn du beim Meditieren an die Technik denkst, hängst du im Verstand fest. Es geht um den Zustand, nicht darum etwas so und so zu machen.

Schau, es ist so: Wenn ein vergangener Gedanke aufgehört hat und ein zukünftiger Gedanke noch nicht entstanden ist, gibt es da nicht eine Lücke?» «Ja», sagte Apa Pant. «Nun gut, verlängere sie! Das ist Meditation. (SOGYAL RINPOCHE: FUNKEN DER ERLEUCHTUNG)

Meditation ist die Beobachtung des Denkers

Unser Gehirn „funkt“ auf verschiedenen Frequenzen (Delta, Theta, Alpha, Beta und Gamma). Die günstigsten Zeiten zum Meditieren liegen im Theta-Bereich. In diesem sind wir morgens nach dem Aufwachen oder am Abend kurz vor dem Schlafen. Der optimale Bewusstseinszustand zwischen Entspannung (Alpha) und Schlaf (Delta).

Setze dich einfach bequem und soweit es geht gerade hin. Schalte mögliche Störquellen aus und schließe die Augen. Atme ganz bewusst. Du konzentrierst dich auf das Senken und heben deines Brustkorbes beim Ein- und Ausatmen. Beobachte deinen Atem, wie er an der Nasenspitze ein- und ausströmt, wie sich dein Bauch hebt und senkt.

Während du so sitzt, werden Gedanken hochkommen. Das ist völlig ok. Nimm sie einfach nur wahr und lasse sie wieder ziehen wie Wolken am Sommerhimmel. Wenn du die Gedanken bemerkst, bedanke dich für das Erkennen und komme wieder zum bewussten Atmen zurück. Es ist völlig ok zu Beginn sehr schnell zurück in den gewohnten Gedankenstrom zu fallen.

Es geht nicht so sehr darum, keine Gedanken zu haben, sondern sie wahrzunehmen. Es ist viel mehr ein Loslassen. Lass deine Gedanken Wolken sein, die vorbei ziehen. Es werden immer wieder welche auftauchen, das ist völlig in Ordnung. Erst wenn wir sie bemerken, können wir sie ziehen lassen.

Meditation ist ein Abenteuer — das größte, in das der menschlichen Geist sich stürzen kann. Meditation heißt: einfach da sein, ohne irgend etwas zu tun … (Osho)

„Einfach da sein, ohne irgend etwas zu tun“, wie oft machst du das am Tag? Wie oft realisierst du, wie du dich gerade fühlst. Wie es deinem Körper geht. Genießt du, was du gerade tust? Bist du bei dir oder gerade bei deinem Gegenüber, dem Chef, der To-do-Liste von morgen?

achtsam sein – anhalten, Atem spüren, zu sich kommen

Regelmäßiges Meditieren lässt uns immer schneller erkennen, dass wir „aus der eigenen Mitte fallen“. Wenn wir uns im Alltag mal wieder auf Abwegen befinden, können diese Quickie’s für zwischendurch helfen:

  1. Ein paar tiefe Atemzüge nehmen, ganz bewusst die Füße auf dem Boden spüren und den Atem mit Bewegung koppeln. Beim Weg zur Bushaltestelle beispielsweise, zwei Schritte einatmen, vier Schritte ausatmen. Bei Anspannung und Angst ist es hilfreich, den Fokus auf die Ausatmung zu legen (bis zu drei Mal länger als Einatmung). Während wir ausatmen entspannt unser Körper automatisch.
  2. Die zweite Möglichkeit, aus dem Gedankenkarussell  auszusteigen ist, den Geist anderweitig zu beschäftigen. Wie mit dem genauen Betrachten eines Gegenstandes oder dem Visualisieren einer besonders schönen Situation in der Vergangenheit.
  3. Sorgt für klaren Geist zwischen zwei unterschiedlichen Arbeiten oder Terminen: 3 bis 5 Minuten dem Atem folgen und sich auf das Mantra „Loslassen“ fokussieren.
  4. Ganz im Hier und Jetzt sein. Eine zwar bekannte Auszeit, allerdings mit Zusatzaufgabe und eine kleine Kunst: Einen Tee oder Kaffee trinken. Dabei nichts tun und nichts denken, bis die Tasse leer ist.
  5. Geht es mal heiß her, bringt dieses Fingermudra Frieden. Dazu tippst du nacheinander mit dem Daumen auf die restlichen Fingerspitzen einer Hand und sagst laut oder leise beim Zeigefinger „Frieden“, beim Mittelfinger „beginnt“, beim Ringfinger „mit“ und beim kleinen Finger „mir“. So berühren sich alle Fingerspitzen während du das Mantra „Frieden beginnt mit mir“ sagst. Nach ein paar Wiederholungen sollte sich der Sturm gelegt haben.

 

Einatmen. Ausatmen. Loslassen. Entspannen.

Auch wenn das Innehalten Zeit kostet, kommen wir paradoxer Weise schneller voran. Unser Fokus wird wieder klar. Das Kopfgeplapper entwirrt. Wir sind im Moment. Die eigene Wahrnehmung wird gestärkt und wir bekommen schneller mit, wenn wir vom Weg abkommen.

Falls du bisher noch nicht meditiert hast, probier es doch mal aus. Schaffe dir regelmäßig  5 – 10 Minuten Zeit und beobachte deinen Atem. Viel mehr braucht es am Anfang nicht. Fällt es dir schwer, einfach nur so mit dir allein zu sitzen, findest du im Netz viele geführte Meditationen beispielsweise bei youtube. Wenn du noch schneller in einen meditativen Zustand eintauchen möchtest, versuch es mal mit binauralen Beats.

Für mich sind diese Auszeiten so, als würde ich meine in der Hektik versprengten Einzelteile zusammen sammeln, ganz werden und im Hier und Jetzt ankommen.

Und, versuchst du es auch mal oder meditierst du schon? Ich freue mich in jedem Fall über deine Erfahrungen

entspannte Grüße