Der Raum zwischen „mein Schatz“ und „nix wert“ ist ein ziemlich dehnbarer. Wie wir diesen ausfüllen entscheiden wir, immerzu, bewusst oder unbewusst. Wertschätzung ist ein wichtiger Magnet, der Dinge in unser Leben zieht, so wie es auch Dankbarkeit vermag.

Respekt fällt mir in diesem Zusammenhang noch ein, der kleine Bruder der Wertschätzung. Denn was ich nicht respektiere, kann ich auch nicht wertschätzen.

Warum ist mir Wertschätzung so wichtig?

Ich als  Harmoniemensch mag es eher friedlich und entspannt um mich herum, was schon Grund genug für respektvollen Umgang miteinander ist.

Es scheint dabei eine Herausforderung zu sein, gerade andere Meinungen wertschätzen zu können. Doch es lohnt sich aus mehreren Gründen, sich dieser zu stellen. Auf jeden Fall steckt a) jeder in seinem Film und sieht eine Angelegenheit aus seiner ganz eigenen Perspektive und muss deswegen unsere nicht zwangsläufig kennen. Außerdem bekomme ich auf diese Weise b) eine völlig neue Sicht auf eine Sache. Und vielleicht kann ich c) noch etwas Neues für mich lernen, was ich sonst nicht hätte entdecken können.

Woran es bei mir hapert ist hin und wieder die Wertschätzung mir selbst gegenüber. Mir rutscht schon mal so etwas raus wie „wie dämlich kann man eigentlich sein“ oder „siehste, kannste also auch nicht (durchhalten, richtig machen, dranbleiben…)“ Gedankenhygiene also, ich bin dran.

Wir alle wertschätzen, nur eben unterschiedliche Dinge.

Wenn ich das Wort Wertschätzung auseinander dividiere fallen mir sofort Geld und Schatz ein. Die herrschende  Meinung ist klar; Geld, Vermögen, Konsumgüter sind das Ziel. Streben nach Geld lohnt sich also und es scheint, als wäre es schon immer so gewesen und wird auch so bleiben. Ich möchte an dieser Stelle keine Diskussion über Geld an sich anzetteln. Die bedruckten Scheine sind weder gut noch schlecht. Sie sind, was wir daraus machen.

Natürlich möchte auch ich gut und sorgenfrei leben. Das setzt nun einmal Geld voraus (zumindest ist das bis heute so). Mich lockt allerdings nicht in erster Linie das Geld an sich, sondern eher das, was man damit machen kann. Frei und selbstbestimmt leben beispielsweise. Ich bin also nicht hinter dem Geld her, sondern hinter der Freiheit 😉

Geld macht vor allem dann Probleme, wenn es nicht da ist

Allerdings ändert sich die Einstellung „Geld ist nicht so wichtig“ schlagartig, wenn es sich verflüchtigt hat. Wahrscheinlich ist gerade diese Einstellung das Übels Lösung. Also gehört unser Geld  als Tauschmittel gewertschätzt, ohne verherrlicht oder angebetet zu werden.

Geld und Selbstwert

Spielt nun das Geld in einer Gesellschaft wie unserer eine so tragende Rolle, könnte man zu dem Schluss kommen, dass wenig Geld mit Erfolglosigkeit gleichzusetzen ist. Es sei denn, andere Werte sind wichtiger, wie bereits die oben genannte Freiheit. Dazu muss man sich seiner Werte allerdings erst einmal bewusst sein.

Zwei Dinge sind hier für mich entscheidend:

  1. Wir müssen den Selbstwert vom Kontostand entkoppeln und
  2. uns darüber klar werden, was uns wirklich glücklich macht (der Wert den wir mit dem Geld erkaufen wollen wie Sicherheit, Abenteuer, Bestätigung).

Zurückblickend finde ich witzig, dass am zweiten Weihnachtstag (als ich Wertschätzung gezogen habe) meine Familie das alte Monopoly-Spiel rauskramte. Wie passend, genau an dem Abend (und nach vielen Jahren). Klar, dass ich gewonnen habe oder? Ein guter Einstieg, um mein Money-Mindset aufzupolieren 😉

Wertschätzung üben

Ich vermute  mal, dass viele nicht gelernt haben sich selbst wertzuschätzen. Wie auch, waren wir doch schon in Kindertagen nicht schnell oder schlau genug, leise oder brav genug usw. Wofür sollten wir uns selbst also auf die Schulter klopfen? Mit etwas Übung und kurz nachgedacht, fallen dir bestimmt so einige Dinge ein, auf die du stolz bist oder? Was hast du gemeistert, wo dich durchgekämpft? Letztendlich haben wir es alle bis hierhin geschafft, das ist doch schon mal was.

Es ist eine Sache andere respektvoll zu behandeln oder wertzuschätzen. Eine völlig andere ist allerdings Wertschätzung aushalten zu können, wenn sie uns zuteil wird. Kennst du das? So ein richtig ernst gemeintes Lob, Anerkennung oder Aufmerksamkeiten muss man erst einmal aushalten können.

Ich hatte im Februar das Vergnügen. Von meinem Coach erhielt ich die Hausaufgabe, fünf mir wohlgesonnene Menschen um Feedback zu meiner Person anhand von vier Fragen zu bitten. So kam ich in den Genuss wunderschöner und wertschätzender Rückmeldungen. Eine zauberhafte Wertschätzungsübung. Kann ich wirklich sehr empfehlen.

Wertschätzung und Dankbarkeit

Wir können Wertschätzung und auch Dankbarkeit lernen, in dem wir uns immer wieder fragen, was uns gerade so richtig gut tut, was ist uns schönes passiert, was hat uns erfreut? Das kann dann ein Lächeln vom Gegenüber sein oder die Sonne, die unter den Wolken hervorlugt. Und so unglaublich es auch scheinen mag, je größer unsere Dankbarkeit wird, desto mehr Dinge kommen zum Vorschein, für die wir dankbar sein können.

Eine weitere sehr, sehr schöne und teilweise herausfordernde (und wahrscheinlich auch lebenslange) Übung ist, den jetzigen Moment zu wertschätzen. Auch wenn dieser manchmal nicht so ist, wie wir es erwartet haben. Im Nachhinein kann sich genau das als absoluter Glücksfall entpuppen. Wird nur eben erst hinterher klar.

Warum schätzen wir andere wertvoller ein?

Wie oft glauben wir, dass das, was andere zu geben haben mehr wert ist, als das, was wir in die Waagschale werfen?

Aus diesem Mangel heraus verheddern wir uns entweder in Übermotivation oder stecken in Ängsten und Zweifeln fest. Beides gipfelt in einer Art Selbstsabotage, in der wir kategorisch unsere eigene Leistung ablehnen.

Unterm Strich heißt das, dass wir unsere gemachten Erfahrungen, unser Wissen, unseren bisher zurückgelegter Weg ebenfalls als weniger wertvoll empfinden.

Das macht für mich überhaupt keinen Sinn. Das ist so, als würden wir unsere Geschenke nicht annehmen wollen. Wir sind ein Teil dieses kunterbunten Treibens hier. Wir sind genau so gemeint!

Wenn du eines aus diesem Artikel mitnimmst, dann wünsche ich mir, du nimmst genau jetzt einen besonders tiefen Atemzug und sagst zu dir selbst, dass du ein absolutes Goldstück bist. Ein unbezahlbares und einzigartiges. In diesem Sinne

alles Liebe

PS: Hier kannst du die anderen Artikel meiner experimentellen wertvollen Jahresreise nachlesen. Die Idee mich ein Jahr lang intensiv mit meinen Werten zu beschäftigen und das in einem monatlichen Blogartikel zu dokumentieren  entstand in den Raunächten.