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Na das hab ich mir ja wieder einmal schön ausgedacht. Ein Jahr lang Wertarbeit. Soll heißen, dass ich mich intensiv mit meinen Werten auseinandersetze. Jeden Monat widme ich mich einem anderen. Wie startet das Jahr? Mit Harmonie natürlich.

Ist das nur ’ne billige Ausrede?

Es gab Tage da kam mir Harmonie wie ein „Weichspülzustand“  vor und ich fragte mich, ob es sich mein Unterbewusstsein nicht besonders leicht macht und einer Ausrede aufgesessen ist, nur um die Komfortzonencouch nicht verlassen zu müssen.

An anderen Tagen war Harmonie alles andere als Rosaflauschwatte. Auch wenn ich eher ein sanftmütiger Zeitgenosse bin, in mir drinnen fühlt es sich manchmal nach Sodom und Gomorrah an. Da kämpfen Bauchgefühl, Verstand und Herzenslogik miteinander. Wenn meine innere und äußere Welt nicht im Gleichklang unterwegs sind, fühlt es sich eher nach Paralleluniversum an. Wann bin ich denn nun endlich da???

Ich bin dann mal auf der Suche

Und plötzlich merkte ich, ich bin schon mittendrin im Harmonieerforschungsmodus. Vor allem merke ich, den meisten ist zwar klar, dass wir nach bestimmten Werten leben. Wie wichtig diese für unsere täglichen Entscheidungen sind, ist eher weniger bekannt.

Und auch was die einzelnen Werte, so wir sie denn überhaupt kennen, für uns selbst wirklich bedeuten. Und ehrlich gesagt musste ich ganz schön tief graben, um fündig zu werden. Das Thema dümpelt eben nicht einfach mal so an der Oberfläche rum.

Ich fühle mich so lange ich denken kann als Harmoniemensch. Ich gehe Streit eher aus dem Weg. Nur wenn mir etwas wirklich wirklich wichtig ist, klettere ich schwertschwingend auf Barrikaden. An dieser Stelle fragte ich mich das erste Mal, ob ich ein Weichei bin, woraufhin ich meinen imaginären Säbel schwang. Also eher: nö.

Es hat ja auch nix mit „lau“ zu tun oder zu allem ja und Amen zu sagen, um des lieben Friedens willen. Harmonie ist eher das, was eintritt, wenn man alles gesagt hat, was einem wichtig war und zwar auf die Art und Weise, die einem selbst entspricht.

Bin ich in Harmonie oder brauche ich selbige?

Harmonie stand auf dem ersten Zettel, den ich gezogen habe und ich habe mich darüber sehr gefreut. Ein guter Jahresbeginn, dachte ich mir. Schon das Weihnachtsfest gestaltete sich sehr harmonisch, ruhig und entspannt.

En paar Tage später allerdings stieg in mir die Frage auf, ob die gezogene Harmonie bedeutet, dass das Jahr harmonisch startet oder ob ich womöglich Harmonie brauchen werde. Da sind sie wieder die Fragen, die Zweifel, die Schlauchalarmmomente. Könnte ja alles auch anders gemeint sein. Apropos

was ist Harmonie eigentlich?

In der Musik eine ausgewogene Melodie sowas wie Wohlklang. In der Kunst Ebenmäßigkeit, die Ästhetik der Formen oder ideal aufeinander abgestimmten Farben. Zwischenmenschlich ist damit wohl ein ausgeglichenes Verhältnis zueinander gemeint, ein Geben und Nehmen, wie man so schön sagt.

Harmonie liegt aber auch in mir selbst, wenn ich mit mir selbst im Einklang bin, mit meinen Werten beispielsweise. Oder wenn das, was ich sage und das was ich meine oder tue identisch sind. Anders ausgedrückt: wenn mein inneres Erleben und die äußere Erscheinung harmonieren.

Befinde ich mich in einem Ungleichgewicht bin ich angeknackst. Das macht mich anfällig, wie eine Schüssel mit Sprung. Schon die kleinste Erbse, so sie auf die passende Stelle trifft, lässt das Gefäß bersten und dann haben wir den Salat (wahlweise auf Tisch oder Boden verteilt). Die Erbse – oder eben der Auslöser – kann dann alles Mögliche sein, meist trifft es den Prinzen, der nur zufällig vor Ort ist und den natürlich keine Schuld trifft.

Wenn ich mit mir im Reinen, also ganz bei mir bin, bringt mich so schnell nix aus der Ruhe. Und das ist gut für die Umwelt, Königskinder und für’s Geschirr.

Hat das was mit perfekt zu tun?

Harmonie hat nix mit perfekt zu tun, eher mit Mathematik, jedenfalls in meinem Universum 😉 Sie ist für mich eher ein Seismograph für Stimmigkeit.

Balance ist der Ausgleich zwischen den zwei Gegenseiten: stark/schwach, ruhig/laut, entspannt/stressig. Also die waagerechte Verbindung zwischen zwei Polen. Irgendwo auf dieser Geraden finde ich meine Balance.

Harmonie macht Dinge rund

Harmonie dagegen ist eher eine runde Sache. Sie rundet Dinge ab, wie in der Musik beispielsweise, wo einzelne Töne harmonisch aneinandergereiht eine stimmige Melodie ergeben. Bei einem Gemälde ist es eher die harmonische Farbkomposition.

Auch laute und leise Menschen, junge und alte können im Einklang miteinander sein. Es kommt eben darauf an, dass alles miteinander harmoniert. Genau dieses aufeinander einlassen und miteinander schwingen macht die Sache rund. Da schließt sich quasi der Kreis. So wie der Jahreslauf mit Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

Genau, so fühlt sich das für mich gerade an: Harmonie ist rund, während Balance gerade ist. So, das war sie, meine vorsichtige Annäherung an die Mathematik. Ob wir jemals Freunde werde bezweifle ich jedoch weiterhin.

Im Kreis drehen auf höherem Niveau

Wonach ich strebe ist Ausgeglichenheit. Das immer wieder ankommen bei mir.

Bis es rund läuft, muss man sich dafür eben manchmal im Kreis drehen. Für mich ist es eher eine Spirale, auf der wir uns nach oben bewegen. Wir treten keinesfalls auf der Stelle. Obwohl wir vielleicht das Gefühl haben, wieder am gleichen Punkt anzukommen. Doch das können wir gar nicht. Wir sind ja weiter gegangen und schauen aus einer anderen Perspektive auf ein Phänomen, das wir schon einmal (von weiter unten) betrachtet haben.

Irgendwie ist eine Linie auch nur ein Punkt auf Reisen und irgendwann trifft er, mal früher, mal später, wieder auf sich selbst. Der Glücksfall. Und wieder schließt sich ein Kreis.

Die Brille, die du dir aufsetzt

Harmonie ist eine Brille, die du aufsetzen kannst, wenn du das Gefühl hast nicht ganz bei dir zu sein. Und dann schau, was oder wer dich aus deinem inneren Gleichgewicht bringt. Was ist für dich stimmig? Was nicht?

Wenn ich merke, dass etwas oder jemand meinen Einklang stört, kann ich darauf reagieren. Ich kann meine Einstellung dazu ändern oder aber den Einfluss reduzieren. Ich treffe einfach bestimmte Menschen nicht mehr so häufig oder schaue keine aufregenden Filme vor dem Schlafen gehen, wenn ich danach nicht zur Ruhe kommen kann.

Vielleicht ärgerst du dich noch über etwas, das schon lange zurückliegt. Vergib demjenigen und vor allem auch dir selbst. Lass es ziehen. Dann zieht es auch nicht mehr an dir. Gib dich wieder dem Fluss des Lebens hin.

Drehe an den kleinen Stellschräubchen. Stelle doch mal die Natur lauter und die Technik leiser, drehe einfach hoch und kompliziert runter. Was schließlich finden wirst, bist immer mehr du selbst. Manchmal schleicht sich bei mir allerdings das Gefühl ein, dass manche Menschen genau davor große Angst haben. Werden wir gut genug, schlau genug oder was auch immer sein, wenn wir uns selbst entdecken? Doch ist es nicht letztendlich das, wonach wir alle auf der Suche sind?

Harmonie ist wie ein Filter und zeigt uns, was in uns die Melodie anklingen lässt oder uns verstimmt. Wofür möchtest du Resonanzkörper sein?

Harmonie ist für mich nach Hause kommen

Es ist wie ein Ort in mir, der mir Zuflucht bietet, wenn es um mich herum stürmt. Hierhin kann ich immer wieder zurückkehren. Diese Platz wird mir nicht zugewiesen, ich muss ihn mir nehmen. Dieser Platz kann von niemand anderem erschaffen werden als von mir selbst.

Bei einer harmonischen Partnerschaft ist es ähnlich. Es wird nicht immer alles im Ausgleich sein und darauf kommt es auch gar nicht an, sondern auf das Fundament, auf das beide bauen und wohin sie immer wieder zurückkehren können.

Letztendlich

war der Januar wirklich sehr harmonisch. Ich war gut mit mir unterwegs 😉  Es war ein entspannter und stiller Jahresbeginn. Ein gutes Fundament für’s vor mir liegende Jahr. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf die weitere Reise.

Beim Schreiben des Artikels habe ich herausgefunden, warum Harmonie so wichtig für mich ist: wenn ich unsicher bin, gibt sie mir Sicherheit. Sie weist mir den Weg, indem sie mich fühlen lässt, ob ich vor mir weglaufe oder zu mir hin.

Harmonie hilft mir zu erkennen, was für mich stimmig ist und was nicht. Sie ist der Seismograph, der mich zwingt hinzuspüren. Und genau das bringt immer mehr zum Vorschein, wer ich wirklich bin.

Möge Harmonie in dir erklingen

alles Liebe

PS: Hier kannst du die anderen Artikel meiner experimentellen wertvollen Jahresreise nachlesen. Die Idee mich ein Jahr lang intensiv mit meinen Werten zu beschäftigen und das in einem monatlichen Blogartikel zu dokumentieren  entstand in den Raunächten.