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„Du bist sowas von egoistisch“ hörte ich von meinem Gegenüber. BÄM! Das saß. Erstarrt und mit aufgerissenen Augen schnappte ich nach Luft.

E-g-o-i-s-t-i-s-c-h? ICH???

Das war genau das, wovor ich immer unbewusst Angst hatte. Ich wollte sowas von auf gar keinen Fall, niemals nicht egoistisch sein. Ich bin doch so eine Nette.

Zumindest hörte ich das schon mein ganzes Leben lang.  Obwohl es auch manchmal nervte, (wer will schon immer die Nette sein) gehört nett sein offenbar zu sowas wie meiner Grundausstattung, war anscheinend im Preis mit drin.

Und dann nennt mich einer egoistisch.

Neustart in meinem Oberstübchen. Als mein Rechenzentrum nach oben gefahren war und die Synapsen wieder funkten, knallt die Erkenntnis gegen meine Schädeldecke wie die Kugel eines Flipperautomaten:

das ist ja fantastisch!!!

(2. Gedanke, schon wieder etwas zögerlicher):

Und wieso finde ich das jetzt gut, wie bin ich denn drauf?

Angst egoistisch zu seinNun muss ich dazu sagen, das der Vorwurf von jemandem kam, der eher narzisstisch veranlagt ist und sehr energisch wurde, drehte sich die Welt nicht ausschließlich um ihn. Und im vorangegangenen Gespräch ging es wieder einmal darum, ihm zu Diensten zu sein.

Aus meiner Mitte und so selbstverständlich als würde ich das ständig tun, hörte ich mich energisch sagen:  „NEIN, das möchte ich nicht tun“. Was oben genannte Antwort nach sich zog: du bist so egoistisch.

Ja, da hat sich doch die intensive Arbeit an mir selbst wirklich gelohnt.

Ich konnte zu mir und meinen Bedürfnissen stehen. Check ✔️

Und ich fühlte mich nicht mal schlecht dabei. Check ✔️

Es fühlte sich sogar gut an: Das Nein sagen können, Auszuhalten als Egoist betitelt zu werden und das nicht schlimm zu finden. Das katapultierte mich quasi auf eine ganz andere Ebene. Das war sozusagen gar nicht nett.

Und, welch Überraschung, das Universum stürzte nicht ein. Die Welt dreht sich weiter.

Das Anti-Nett-Programm wird installiert….. bitte warten.

Wenn du auch eher zu den sensiblen und ruhigeren Zeitgenossen gehörst, die Aussagen hören wie: du bist so unkompliziert, bei dir ist immer alles kein Problem, das ist so schön einfach und harmonisch. Bei dir fühl ich mich so wohl, da kann ich ganz ich sein.

Versteh mich bitte nicht falsch, ich finde das sehr schöne Komplimente. Schon allein deshalb, weil mir Harmonie und Balance sehr sehr wichtig sind. Der Punkt ist aber und zwar der alles entscheidende:

Ich möchte nicht nur Harmonie und Balance für andere – also im Außen – erschaffen, sondern auch als Ressource aus mir selbst schöpfen können.

Wir sorgen mit unserer ruhigen, empathischen Art für ein harmonisches Umfeld. Wir sind in der Lage kleine Nichtigkeiten und Dysbalancen zu absorbieren und damit Frieden zu stiften. Gerade weil wir Empathen und zart besaitet sind, geben wir dem friedlichen Miteinander viel mehr Gewicht als Recht haben zu müssen. Nach dem Motto: der Klügere gibt nach.

Ressourcen aus uns selbst schöpfen

Durch unsere ruhige und empathische Art sind wir in der Lage Wogen zu glätten, denn wir können meist beide Seiten verstehen und uns hineinversetzen. Offene oder auch unterschwellige Dysbalancen rauben uns viel Kraft und zehren an uns, weswegen wir viel dafür tun, Frieden zu stiften.

Ich kann das inzwischen sehr wohl als Qualität anerkennen, doch wir können nicht wie Schwämme alles Mögliche um des lieben Friedens willen absorbieren.  Irgendwann ist der Schwamm voll.

Genau darum geht es: festzustellen, wenn wir Zeit für uns selbst brauchen und sich diese Zeit zum Auftanken auch zu nehmen.

Wir brauchen diese Zeit für uns in unserer Höhle (was auch immer die Höhle für jeden einzelnen sein mag). Haben wir die Möglichkeit für diesen Rückzug nicht, ist es früher oder später auch mit unserer Gelassenheit vorbei.

ein NEIN zu anderen ist ein JA zu dir selbst

Genau das ist der Punkt, an dem wir NEIN SAGEN ÜBEN müssen.

Wir müssen lernen zu unserer Einzigartigkeit zu stehen und uns auf unsere leise Weise auszudrücken ohne unser Licht unter den Scheffel zu stellen.

Deshalb stehen sensible Seelen oft neben sich, wenn sie sich Tag für Tag in einem Umfeld behaupten müssen, das sie total herausfordert oder sogar auslaugt. Bei einer Arbeit beispielsweise, die sie ständig über ihre Grenzen hinweg katapultiert. Bei einem Chef, der grenzenlos fordert, Kollegen, die alles Mögliche auf sie abwälzen oder Kunden, die einfach nicht zufriedenzustellen sind.

Zu solchen Situationen gehören immer zwei Seiten, das ist klar. Und wir geben auch gern und helfen, wo wir können, was unser Gegenüber gern dankend annimmt. Doch wie so oft, macht auch hier die Dosis das Gift.

Für sich selbst zu sorgen ist Eigenliebe!

Ein Egoist ist jemand, der nicht an mich denkt.

Auch, wenn man nicht bibelfest ist kennt man: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Da heißt es nicht, liebe alle anderen mehr und wenn dann noch was übrig ist, nimm halt das.

Selbst im Wiki reicht die große Spanne von Begrifflichkeiten zu Egoismus von Eigeninteresse, Eigenützigkeit und Eigenliebe bis zu Ich-Bezogenheit .und Ich- oder Selbstsucht. Das zeigt den Möglichkeitenraum der Definition. Ganz ohne Eigenliebe würden wir gnadenlos untergehen, ohne fremde Liebe allerdings auch. Wir müssen ICH-bezogen sein,  um das DU überhaupt erst wahrnehmen zu können. Strapazieren wir das allerdings über alle Maßen, wird unser Umfeld wohl systematisch kleiner.

Wir NONos (nicht nein sagen Könner) kommen eher von der Seite der Uneigennützigkeit bis zur Selbstaufgabe und dürfen uns darin üben unsere Eigenliebe anzufachen.

Was steckt hinter der Angst egoistisch zu sein?

Warum ist es so ein Problem für uns, als egoistisch dazustehen? Zum einen ist dieser Begriff sehr negativ geprägt. Das Pendel der Interpretation schlägt mehr zur Ich-Bezogenheit als zu Eigenliebe aus. 

Und wie oben schon beschrieben haben Intros Angst vor

  • Ablehnung
  • Konflikten
  • dem Gefühl ein schlechter Mensch zu sein
  • Kritik

Und dann schau hinter diese Gründe. Was du in den meisten Fällen finden wirst, ist die Urangst davor ausgeschlossen zu werden. Die Zugehörigkeit zu anderen Menschen (unserer Sippe) zu verlieren liegt uns in den Genen, weil wir früher allein nicht hätten überleben können. Heute können wir es zwar, aber das Gefühl nicht dazuzugehören ist trotzdem kein schönes.

Egoismus ist weder gut noch schlecht.

An sich selbst zu denken ist nur wieder eine Bewertung in unserem „Gut-Schlecht-System“. Egoismus wird als negativ bewertet, weil es mit „NUR an sich denken“ assoziiert wird. Diese Pauschalisierung hilft nur denen, die es ausnutzen.

Gerade wenn du zu den Menschen gehörst, die für andere da sind,  gern helfen und unterstützen und dafür bekannt (und anerkannt) bist,  setzt du genau diesen Punkt deiner „Beliebtheit“ aufs Spiel, wenn du anfängst Nein zu sagen. Genau deswegen ist deine Angst davor so groß. Das passiert natürlich nicht bewusst, sondern eher im Hinterstübchen.

Doch mal Hand aufs Herz: Mit welchen Menschen möchtest du deine Zeit verbringen? Doch wohl mit denen, die dich mögen, weil du du bist. Denen du ebenso wichtig bist und sie deshalb deine Entscheidungen respektieren, weil sie wollen, dass es dir gut geht.

Nein sagen üben ist ein langsamer Prozess. Mach das in deinem Tempo, zuerst bei relativ unwichtigen Dingen. Gib auch deiner Umwelt Zeit, sich daran zu gewöhnen, dass du jetzt nicht mehr hundertprozentig „Gewehr bei Fuß“ stehst. Du kannst dich fragen:

  1. Ist das gut für mich UND
  2. ist das gut für andere, falls nicht
  3. schadet es anderen?

Und nein, es schadet anderen nicht, wenn sie allein ins Kino gehen oder du nicht für sie den Zusatzdienst übernimmst. Das sind ihre Herausforderungen, nicht deine. Und wer weiß schon, ob sie allein im Kino nicht ihrem Traumpartner begegnen ☺️

Wir sind verbunden

Wir sind alle miteinander verbunden, nur vergessen wir es immer wieder. Nun stell dir vor (nur mal angenommen) du könntest diese Verbindung spüren. Was ich mir antue, tue ich auch dir an und umgekehrt. Wenn es diese Verbindung gäbe, was wäre dann Egoismus?

Die Welt braucht deine leise Power ?

 

 

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