Dezember 22

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Dienstleistungskoller: Ich liebe meine Arbeit, aber gibts den Job auch ohne Menschen?

„Das ist jetzt nicht ihr Ernst, oder?“ protestiert die Patientin am Tresen, als ich ihr einen Untersuchungstermin in 14 Tagen anbiete. „Ich habe Schmerzen, das geht nicht.“ Irgendwie kann ich ihr glaubhaft machen, dass hier keiner in der Schlange steht, der nicht auch ein gesundheitliches Problem hat und der Terminkalender nun einmal voll ist.

Ich kann nur kurz aufatmen...

Der nächste Patient ist zu spät und die Untersuchung wurde bereits gecancelt. Was folgt ist Schwall an Erklärungen, wie es dazu kam und wer alles schuld sei: Kranke Mutter, Kind, Kita, Stress, Verkehr sind Wortfetzen, die auf mich einprasseln. Der Patient geht nicht, was den hinter ihm wartenden Menschen nicht gefällt, was ihn wiederum unter Druck setzt, den er aggressiv an mir abzuarbeiten versucht...

Warum tue ich mir das eigentlich immer noch an? Warum suche ich. mir nicht einfach einen Job ohne Menschen?

Morgens um 10  in Deutschland, andere Arbeitsstelle..

"Guten Tag, sie sprechen mit dem technischen Kundenservice, was kann ich für Sie tun?"

"Ich kann nicht arbeiten."

"Was genau können Sie nicht tun?"

"Ich kann mein Programm nicht öffnen."

"Welches?"

Anrufer versucht zu erklären, welches Programm er meint und endet mit: "Ich kann halt nix machen."

Ich versuche mich mit ein paar weiteren Fragen an das Problem heranzutasten, bis der Anrufer mich genervt auffordert:

"Ihre Fragerei bringt mich auch nicht weiter. Gute Frau, ich kann nicht arbeiten. Bitte verbinden Sie mich mit jemandem, der weiß, was zu tun ist."

Kennst du Gespräche dieser Art, halt nur in deiner Branche?

Fragst du dich manchmal, ob es wirklich noch so erfüllend ist, Menschen zu helfen oder ob du für irgendwas bestraft wirst?

Glaub mir, ich kenne das Gefühl. Und wir sind nicht allein. Viele andere erleben ihn auch immer und immer wieder, den

Dienstleistungskoller

Menschen werden aus verschiedenen Gründen immer unzufriedener. Bei den meisten ist es leider so, dass sie sich nicht um die Ursache ihres Ärgers kümmern und sich nicht direkt bei den Verursachern ihrer Probleme beschweren.

Im Gegenteil, sie reagieren ihren geballten Frust gerade an den Menschen ab, die ihnen eigentlich gern helfen wollen. Erschwerend kommt hinzu, dass sie ihnen praktisch ausgeliefert sind, weil sie jobbedingt nett sein müssen.

Das betrifft alle Menschen in Dienstleistungsberufen; in Läden, Restaurants, im Kundenservice, in Schulen und Gesundheitseinrichtungen.

Diese Jobs sind so wichtig. Du bist wichtig.

Trotzdem und gerade deshalb, ist es besonders wichtig, gut auf dich zu achten, damit aus dem Dienstleistungskoller kein Dienstleistungskoma oder Burnout wird.

Wenn du grundsätzlich gern für Menschen arbeitest, wenn du helfen möchtest und dein Job an sich passt, du aber du dich manchmal fragst:

Gibts den Job auch ohne Menschen?

dann lies bitte unbedingt weiter.

Überforderung steht natürlich nicht nur in Dienstleistungsberufen im Raum, denn alles wird getrackt, gezählt, ausgewertet, um die Abläufe dann "optimieren" zu können. Heißt: Prompter. Schneller. Perfekter.

Dienstleistungskoller - Job ohne Menschen

In Bereichen wie Handwerk oder Gesundheit wird es immer schwieriger an Termine zu kommen. Auch Gaststätten haben es immer schwerer, Personal zu finden.

Das wirkt sich natürlich immer auf beide Seiten aus: Dienstleister und Kunden.

Früher wurde in hochglanzpolierten Werbeversprechen den Kunden alles (Un)mögliche versprochen. Inzwischen verlagert sich die Suche der Dienstleistungsfirmen eher von Kunden auf Arbeitnehmer. Immer mehr Angestellte flüchten aus dem Dienstleistungssektor. 

Warum sind so viele Angestellte in Dienstleistungsberufen so erschöpft und ausgelaugt?

Die Mitarbeiter im Dienst an Kunden wollen gern helfen. Das ist ihre Motivation. Wenn sie es nicht können und es beim besten Willen nicht schaffen, weil zu wenig Leute für zu viel Arbeit da ist oder weil das, was die Kunden wünschen nicht geliefert oder bereitgestellt werden kann, brennen sie aus.

Und egal unter welchen Umständen:

sie müssen lächeln und freundlich sein,

während sie von allen Seiten unter Druck gesetzt oder gar massiv beschimpft werden.

Erfolgreich helfen, ohne sich zu verlieren: Selbstpflege im Kundenservice

Wenn es in der Arbeitszeit immer nur um die Bedürfnisse von Kunden und Firma geht, vergisst man irgendwann, was man selbst eigentlich will. Um das aushalten zu können, schneidet man sich von seinen eigenen Bedürfnissen und Gefühlen ab.

Erschöpft fällt man abends aufs Sofa und will einfach nur noch konsumieren und haben...  Filme und Serien auf Netflix, shoppen beim großen A, essen, trinken...

Niemanden sehen.

Mit niemandem reden.

Man musste sich schließlich den ganzen (Arbeits)tag um andere kümmern.

Mütter haben diesen "Luxus" nicht, denn auf sie wartet zu Hause die 2. Schicht.

Sich immer um andere zu kümmern und sich selbst dabei zu vergessen, kann auf Dauer nicht gut gehen. Irgendwann fehlt dann einfach die Kraft, sich abgrenzen zu können und sich selbst zu pflegen.

Dienstleistungskoller - Job ohne Menschen

Ich gebe und gebe im Kontakt mit Anderen und wo bleibe ich?

"Durch die Tretmühle, in die ich geraten bin, vermisse ich immer mehr meine Essenz. Ich merke, wie ich mich immer mehr selbst verliere. Bin irgendwie nicht mehr ich und schon gar nicht die Person, die ich sein möchte."

"Ich vermisse mich selbst", höre ich immer wieder in Coachinggesprächen.

Wie du im Dienstleistungsjob für dich selbst sorgst.

Das zu erkennen und sich damit zu beschäftigen, ist der erste Schritt, bringt aber noch nicht in die Veränderung, die man sich wünscht.

Kraftlosigkeit, Selbstzweifel sind Symptome von Energiemangel. 

Jetzt geht es darum, sich gesund abgrenzen zu lernen und zu erkennen:

„Mehr aushalten können“ ist keine Stärke!

Wir glauben, wir müssten mehr aushalten…

Ein dickeres Fell haben…

NEIN!

Was wir lernen dürfen, ist früher STOPP zu sagen!

Du bist stark, wenn du realisierst, dass etwas zu viel wird und es ÄNDERST!

Dienstleistungskoller - Job ohne Menschen

Was möchtest du gern tun, wenn du mit dienen und leisten fertig bist?

Bei vielen wird nicht nur die Arbeit vom Druck bestimmt, sondern regelrecht die gesamte Außenwelt fordert und zerrt an einem: Familie, Arbeit, Haus, Auto, Tiere, Vereine...

Vor lauter Geben und Abliefern müssen in unserer DienstLEISTUNGSgesellschaft vergessen wir immer mehr, was wir eigentlich gern machen würden.

Wo bleibst du bei alledem?

Aber ich will doch einfach nur helfen...

Du hast schon immer das Gefühl, dass du da bist, um zu helfen. Das hast du vielleicht schon als Kind in deinem Familiensystem getan.

Deine Erfahrung ist: ich muss das tun, weil ich das kann. Vielleicht denkst du auch, du kannst nichts anderes...

Ganz nach dem Motto: 

Ich muss mich kümmern, nur so bin ich etwas wert. Helfen ist meine Existenzberechtigung.

Warum das so ist, mag vielerlei Gründe haben, auf die ich an dieser Stelle nicht eingehen kann. Ich kenne dich ja (noch) nicht. 

Wozu ich dich einladen möchte: Schau doch mal hin, ob dich der eine oder andere Punkt triggert und arbeite an der Ursache. Wenn du allein nicht weiterkommst, hol dir Hilfe. 

Bist du auch ein Kümmerer, der sich selbst vergisst?

Du fühlst dich schnell verantwortlich, übernimmst mehr, als du tragen kannst. Es verleiht dir womöglich auch das Gefühl, die Situation unter Kontrolle zu haben. 

Im Job nimmst du andern Arbeit ab, hilfst, wo du kannst und verkaufst dich unter deinem Wert.

In deiner Familie beschwichtigst du und sorgst für Frieden und Harmonie.

Du verschleuderst deine Seelengaben, wenn du dich so verausgabst oder nicht das tust, was wirklich dir entspricht.

Dienstleistungskoller - Job ohne Menschen


Lerne heilsames Dienen jenseits der Aufopferung.

Halte nicht länger an Dingen fest, die dir nicht gut tun. Schau tief in dich, ob du dein Tun unbewusst als Vorwand nimmst, um nicht in deine Größe gehen zu müssen.

Es lohnt sich, dich der Angst zu stellen vor dem Neuen.

Es lohnt sich, alte Identitäten zu verabschieden.

Es lohnt sich, die Aufopferung in dir gehen zu lassen, denn du bist hier, um dich zu entfalten und bestmöglich DU zu sein. 

Komm bei dir selbst an, auf deinem Platz, dass ist der beste Beitrag, den du jemals leisten kannst.

Achte DEINE Grenzen

Wenn du nur eine Sache aus diesem Artikel mitnimmst, dann wünsche ich mir von Herzen, es ist diese:

Du darfst nicht nur Grenzen setzen und auf dich achten, sondern es ist deine höchste Pflicht, genau dass zu tun.

Dienstleistungskoller - Job ohne Menschen

14 weitere Strategien für mehr Selbstfürsorge im Dienstleistungsberuf:

  1. Teamarbeit und Austausch fördern: Schaffe regelmäßige Austauschmöglichkeiten im Team, um Erfahrungen zu teilen, Herausforderungen zu besprechen und Unterstützung zu finden. Gemeinschaftliche Bewältigung stärkt die Resilienz.
  2. Kommunikation verbessern: Verbessere deine Kommunikationsfähigkeiten, um Konflikte frühzeitig zu erkennen und zu lösen. Eine offene Kommunikation kann Stresssituationen entschärfen.
  3. Emotionale Distanz wahren: Trainiere dich darin, professionelle Distanz zu wahren, um dich vor emotionaler Erschöpfung zu schützen. Dies bedeutet nicht, Gefühle zu unterdrücken, sondern eine Balance zwischen Empathie und Selbstschutz zu finden.
  4. Supervision und Mentoring nutzen: Nutze Möglichkeiten, um regelmäßig mit erfahrenen Kollegen oder Vorgesetzten zu sprechen. Dies bietet eine Gelegenheit, Herausforderungen zu besprechen und professionelle Unterstützung zu erhalten.
  5. Sei achtsam: Praktiziere Achtsamkeit, sei es durch Meditation, Atemübungen oder bewusstes Erleben des Moments. Diese Techniken fördern den inneren Fokus und können Stress reduzieren.
  6. Reflektiere dich selbst: Nimm dir Zeit für Selbstreflexion, um bewusst deine Gefühle, Gedanken und Reaktionen auf bestimmte Situationen zu analysieren. Dies ermöglicht eine bessere Selbstkenntnis und Stressprävention.
  7. Übe dich in Stressbewältigung: Nimm an Schulungen zur Stressbewältigung teil, die speziell für medizinische Berufe oder den Kundendienst entwickelt wurden. Diese Schulungen können praktische Strategien zur Stressreduktion vermitteln.
  8. Unterstützung annehmen: Zögere nicht, Unterstützung von Kollegen oder Vorgesetzten anzunehmen. Gemeinsame Problemlösungen können die Belastung verringern.
  9. Fehler akzeptieren: Akzeptiere, dass Fehler unvermeidlich sind, aber nutze sie als Lerngelegenheiten. Eine positive Einstellung gegenüber Fehlern kann den Druck mindern.
  10. Kümmere dich um deine Gesundheit: Achte besonders auf deine Gesundheit und gehe regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen. Eine gute physische Verfassung unterstützt die mentale Widerstandsfähigkeit.
  11. Gönne dir Pausen: Plane regelmäßige Pausen ein, um kurzfristige Erholung und Entspannung zu ermöglichen. Auch kurze Momente der Entspannung können dazu beitragen, Stress abzubauen.
  12. Notfallstrategien entwickeln: Entwickle Strategien, um mit akuten Stresssituationen umzugehen. Dies könnte eine Liste mit bewährten Techniken oder Kontaktdaten von Ansprechpartnern für Notfälle umfassen.
  13. Zelebriere Zeit für dich: Setze klare Grenzen zwischen Beruf und Privatleben. Vermeide es, außerhalb der Arbeitszeiten ständig erreichbar zu sein, um Raum für Erholung zu schaffen.
  14. Hobbys und Interessen pflegen: Pflege außerhalb der Arbeit deine Hobbys und Interessen. Das ermöglicht einen Ausgleich zum beruflichen Alltag und fördert die emotionale Stabilität.

Die Freude am Helfen wiederfinden

Im Coaching habe ich das Thema sooo oft und auch ich kenne das total gut. In allen meinen Jobs hatte und habe ich mit Menschen zu tun.

Als ich diesen Artikel schrieb, ist mir etwas Interessantes aufgefallen:

Seit ich mit Kunden arbeite, die wie ich ticken, hab ich wieder richtig Freude daran, mit Menschen zu arbeiten.

Vielleicht ist das ja auch nochmal eine interessante Perspektive für dich. 

Für ganz konkrete Tipps lass uns doch mal kurz reden, denn

die Welt braucht deine leise Power 🦋

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Meine Lieblingsszene im Film "Liebe braucht keine Ferien" ist der Moment, in dem Jack Black Kate Winslet die Melodie vorspielt, die er für sie komponiert hat und ihr mit funkelnden Augen offenbart: ""Für dich habe ich nur die guten Noten verwendet".

Genauso schreibe ich meine Entfalterpost 🤍

Ich verwende nur die guten Worte für dich, damit du das Licht in dir selbst wiederfindest und deine Welt mehr und mehr erstrahlt. 

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