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Mein Vater war Beamter, meine Oma arbeitete ebenfalls im Staatsdienst und so kam es, wie es kommen musste:  auch ich landete  in einer Behörde und ein paar Jahre später bei der Berliner Kriminalpolizei. Hört sich spannend an, muss man aber mögen. Ich mochte es nicht.

Was nützt der krisensichere Job, wenn er eine Krise nach der anderen auslöst?

Klar freuen sich die Eltern, wenn der Nachwuchs einen krisensicheren Job hat. Wenn dieser regelmäßig Gehalt samt Boni einspielt, die auf der hohen Kante landen.  Klingt nach Rundumsorglospaket mit eingebauter Komfortzonengarantie.

Soweit die Theorie.

Blöd war in meinem Fall nur, dass ich mich dort überhaupt nicht wohl fühlte. Das Umfeld, die Tätigkeit und der Umgang miteinander waren so überhaupt nicht meine Wellenlänge. Ich hatte das Gefühl, als würde ich mit jedem Tag, den ich dort verbrachte mehr und mehr versteinern. Und so wurde die Mauer, die mich umgab dicker und dicker.

Hinarbeiten auf den Urlaub, das Wochenende, die Rente

Ich lebte für das Wochenende, die Freizeit und den Urlaub. Das war so gar nicht meine Vorstellung für die nächsten Jahre. Doch aus gefühlter Alternativlosigkeit blieb ich. Erst mal…

Es kam, wie es kommen musste, ich wurde krank. Irgendwann signalisierte mein Körper schon am Sonntag Alarmbereitschaft in Vorausschau auf den herannahenden Montag mit schier endlos erscheinender Arbeitswoche.

So konnte das nicht auf Dauer weitergehen

Ich kann heute nicht mehr nachvollziehen, wie lange ich so weitermachte. Und wie das bei mir so ist, kann sich ein Entscheidungsprozess schon mal eine Weile hinziehen. Ist dieser aber getroffen, wird umgesetzt und zack, stand ich in der Personalabteilung  meiner Direktion und knallte meine Kündigung auf den Tisch. Einfach so. Die Kollegen schauten mich an, als hätte ich gefragt, ob ich ein UFO als Dienstwagen bekommen kann. Unvergessen an dieser Stelle die Worte: „hier hat noch nie jemand gekündigt. Überleg dir das  nochmal, du bist doch quasi unkündbar.“

NEEIIIEEEN!

Ich wollte mir das nicht überlegen. Keine Versetzung auf eine andere Dienststelle, keine Weiterbildung. Ich war mir einfach sicher: das ist nicht meine Baustelle. Basta. Fertig. Aus.

Total unüberlegt (ich schieb da jetzt mal mein jugendliches Alter vor) hatte ich diesen Schritt sowas von gar nicht durchdacht und noch weniger vorbereitet. In meinem jugendlichen Leichtsinn dachte ich mir, ich hab drei Monate Zeit. Wird schon reichen für was Neues. Tat es nicht, aber das weiß man ja immer erst hinterher.

Schlecht fürs Konto – gut fürs Wohlbefinden

Finanziell war diese Entscheidung ein Desaster. Gesundheitlich ein Segen. Es ging mir sofort besser, sowohl physisch als auch psychisch. Eine spannende Selbstfindungsphase folgte, in der ich wieder zum Schreiben fand und mein erster Zeitungsartikel veröffentlicht wurde, in dem ich einen Hobbymaler porträtierte (eine ganz tolle Erfahrung, aber das nur am Rande). Letztendlich konnte ich davon nicht meine Miete zahlen und landete finanziell abgebrannt in einem Callcenter.

Eine gute Schule

Irgendwie waren Callcenter in den Neunzigern noch nicht solche Tretmühlen, alle möglichen Lebenskünstler, Studienabbrecher, Quer- und Aussteiger sammelten sich dort.  Ein herrlich anderer Menschenschlag. Ein kunterbunter kreativer Haufen aus allen möglichen Berufsbereichen. Eine sehr spannende Zeit, die auch dazu beitrug, dass ich jetzt hier bin, wo ich bin. Und sie hat Herzensmenschen in mein Leben gespült, von denen mich manche noch heute begleiten.

In dieser spannenden Zeit habe ich mich beruflich sehr weiterentwickelt, mich ausprobiert, getestet, verworfen, herausgefunden, was ich nicht will und mich letztendlich entschlossen: ich werde Heilpraktiker. Nicht zwingend der nächste logische Schritt. Planen hätte ich das so nie können. Wie heißt es bei Kierkegaard so treffend;

das Leben kann nur rückwärts verstanden, muss aber vorwärts gelebt werden.

In der heutigen Zeit muss man nehmen, was man kriegt

Es ist immer noch so, dass ich zusammenzucke, wenn ich so Sätze höre wie: „so einen Job kann man doch nicht ausschlagen“, „heutzutage muss man froh sein, einen Job zu haben“ oder „da wäre man dumm nicht zuzugreifen in Zeiten wie diesen“.

Und ich sage das als jemand, der nach Verlassen des „Beamtenparadieses“ vor dem Nichts stand und auch im späteren Verlauf gab es einige berufliche Krisen, doch ich weiß ganz sicher: kein Geld der Welt kann ein Gefühl von Ankommen vermitteln, wie es eine Aufgabe vermag, für die wir bestimmt sind.

Es ist einfach nicht wahr, dass die Zeiten so unsicher sind wie nie.

Es stimmt, dass heute ein Berufsweg anders aussieht als vor 20 Jahren. Doch immer schon unterlag auch der Arbeitsmarkt einem Wandel. Heute erlernt kaum einer einen Beruf und geht im Ausbildungsbetrieb in Rente. Es wird mehr gewechselt. Und ja, dass kann man unsicher nennen. Doch ebenso anerkennen, dass wir heute so unendlich viele Möglichkeiten haben unser Potenzial auszuschöpfen. Uns auszuprobieren.

Selbst wenn es mal nicht funktioniert landen wir nicht gleich unter der Brücke. Obwohl das genau die Angst der meisten Menschen ist.

Fehler öffnen Türen zu neuen Entdeckungen

Doch vielleicht sind es nicht unsere Ängste, die uns final abhalten, sondern unsere Begrenzungen in unseren Köpfen. In unserem eigenen und in denen der anderen.

Ganz oft war es in meinem Leben so, dass die Dinge, die sich später als richtig herausstellten als Impuls in mir hochkamen, als Intuition.. Klar, dass ich das nicht rational erklären konnte. Meine Entscheidung bei der Polizei zu kündigen wurde von allen missbilligt und ich habe viel Schelte dafür eingesteckt. Doch tief im Inneren wusste ich, dass diese Entscheidung für mich die richtige war. Und das fühlt sich verdammt nochmal richtig richtig gut an.

Ein paar Jahre später folgte ich erneut meiner Intuition, als ich mich gegen den Aufstieg in meiner damaligen Firma entschied und stattdessen eine Heilpraktikerausbildung begann.

Mit der Arbeit verheiratet

Viele Menschen sehen ihren Beruf wie eine Verbindung fürs Leben. Quasi wie eine Ehe und so leichtfertig trennt man sich da nicht (nun gut, über die Langlebigkeit von Beziehungen könnte man inzwischen auch diskutieren, ist aber ne andere Baustelle…).

Unsere Arbeit nimmt einen großen Platz in unserem Leben ein und  beansprucht viel Zeit. Identifizieren wir uns ausschließlich oder größtenteils über unsere Arbeit, kann der Verlust und/oder Wechsel unsere Identität bis ins Mark erschüttern. Ja sogar einer  Selbstaufgabe gleichkommen.

Fragen für deine berufliche Veränderung

Unsere Aufgabe ist Teil unserer Persönlichkeit und ein sehr wichtiger Teil von uns, über den wir uns häufig definieren. Doch wir sind noch so viel mehr.

Wenn du zweifelst, ob du im Beruf oder in der Branche richtig bist möchte ich dich ermutigen, da wirklich hinzuspüren. Stell dir Fragen wie:

Was an meiner Arbeit macht mir Spaß?

Wovon möchte ich mehr tun?

Mit welchen Menschen möchte ich arbeiten?

Wo möchte ich arbeiten? und vor allem

Möchte ich der Mensch sein, der ich bin, wenn ich diese Arbeit tue?

Du kannst die Sache auch vom entgegengesetzten Standpunkt aus angehen, wenn du dich nämlich fragst, warum genau du unzufrieden bist und dich genau in die andere Richtung aufmachst.

Doch die allerwichtigste Frage, die du dir überhaupt stellen kannst ist die nach dem WARUM. Warum tust du, was du tust? 

 

Nichts ist so stet wie die (berufliche) Veränderung

 

Im Technikzeitalter zeichnet sich ab, dass unserer Arbeitswelt ein riesiger Wandel bevorsteht. Wenn Veränderungen sowieso auf uns zukommen, warum warten, bis die Lawine am Rollen ist? Ist es nicht auch eine große Chance, überhaupt hinterfragen zu können, was wir wirklich in die Welt bringen möchten?

Die Strukturen in Firmen ändern sich, eine neue Generation etabliert sich in den Chefetagen. Führung wird weiblicher und herzlicher und offener. Die Zukunft liegt im Dienst am Menschen. Menschen arbeiten für Menschen. Alles was sich automatisieren lässt wird von der Technik übernommen.

Irgendwie paradox, dass die Technik uns einerseits trennt (Automatisierung, Ortsunabhängigkeit) und dann doch wieder dafür sorgt, dass wir uns online mit den Menschen verbinden können, die unsere Interessen teilen.

Das größte Geschenk unserer Zeit ist, dass quasi unbegrenzte Möglichkeiten zur Verfügung stehen, ein Leben nach eigenen Vorstellungen zu leben. Diese Freiheit ist allerdings auch eine Verantwortung. 

Vielleicht besteht der Wandel auch genau darin, von der Sicherheit zur Freiheit zu gehen, vom Alltäglichen zum Individuellen. 

Ich wünsche dir, dass du deiner Freude folgen kannst, denn

die Welt braucht deine leise Power 🦋

 

 

 

 

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