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Freundschaft stand auf dem Zettel, den ich im letzten Dezember zog und weswegen ich diesen Blogpost tippe. Oder tippen will, denn ???

Was soll ich bloß über Freundschaft schreiben, was nicht nach Poesiealbum oder nach „Kumpel wie Sau“ aka „11 Freunde müsst ihr sein“ klingt? Oder was mir gleich als nächstes vor die Linse hopst: Wie man Freunde gewinnt. Dale Carnegies Klassiker der Ratgeberliteratur. Vielleicht auch etwas angestaubt. Und natürlich unvergessen: der Ossigruß der Blauhemden „Freundschaft“.

Mein kleines Brainstorming läuft irgendwie kontraproduktiv. Nein so geht das nicht. Auszug aus dem folgenden Selbstgespräch:
„Also jetzt mal in Ernst: Freundschaft, dass kann doch nicht so schwer sein. Du hast so viele tolle Freunde, da fällt dir doch was zu ein…“
„Ja, schon, aber irgendwie kommt mir das Wort Freundschaft zu klein vor?“
„Zu klein? Wirst du jetzt größenwahnsinnig?“
„Naja so wirklich erklären kann ich es nicht, ich fang einfach mal an…“
* Selbstgesprächmodus stumm

Freunde vs. Kontakte

Die Klicke, mit der ich mich früher „in echt“ fast täglich traf, aka Tribe, Fans, Follower, war auf den unmittelbaren räumlichen Umkreis beschränkt. Heute ist die Entfernung eher nicht so wichtig, heute verbinden ähnliche Interessen.

Früher suchte man sich aus den Menschen, mit denen man immer wieder zusammentraf die aus, die am besten passten, man raufte sich sozusagen zusammen. Man sah sich sehr häufig, teilte den Alltag und wusste fast alles voneinander.

Heute läuft das eher über die Vernetzung im beruflichen Kontext oder über Interessen und Hobbys, die man teilt. Der Wohnort rückt da eher in den Hintergrund. Über das, was einem wirklich wichtig ist, findet man den Draht zueinander und geht recht schnell in die Tiefe. Jedenfalls erlebe ich das so.

Soziale Netzwerke besser als ihr Ruf?

Dem sozialen Netzwerk wird nachgesagt, dass es durch Oberflächlichkeit glänzt oder durch die Anonymität Hass und Wut verbreitet. Kenne ich von den Seiten, auf denen ich unterwegs bin eher weniger. Dieses Problem noch und nöcher zu diskutieren bringt vor allem eins: Aufmerksamkeit für Deppen. Genau das, wonach sie lechzen. Lasst uns die Energie lieber auf die vielen positiven Verbindungen lenken.

Ich habe schon so viele wunderbare Menschen im Internet getroffen (und inzwischen auch „in echt“ kennengelernt, denen ich ansonsten nie begegnet wäre.

Der wahre Schatz liegt für mich darin, dass wir uns Verbündete suchen können für all das, was uns begeistert.

Alte Liebe rostet nicht, sie schweißt zusammen

Ich habe Freunde, die kenne ich seit über 40 Jahren (uff, das ist jetzt echt hart) und wir kennen so ziemlich alle Macken an uns und sind durch dick und dünn zusammen gegangen.

Doch wir haben uns eben alle auch verändert. Wir interessieren uns für andere Dinge, üben andere Berufe aus, leben in verschiedenen Städten. Quasi in Parallelwelten.

Uns verbindet die Zeit und wunderbare Erinnerungen, die wir miteinander teilen. Sowohl Zeit als auch Erinnerungen sind ein sehr fester Kleber, der die Verbindung hält.

Dadurch das wir inzwischen in so unterschiedlichen Welten leben empfinde ich es als bereichernd, durch ihre Augen auf die Welt blicken zu dürfen. Es ist wunderbar, wenn man alte Freunde wieder trifft und alles ist sofort wieder da, als hätte man sich erst gestern voneinander verabschiedet. Dabei ist es 2 Jahre her.

Erinnerungen und gemeinsame Werte

Freundschaft und VerbundenheitAlte Freunde sind wie der Fels in der Brandung, der einfach da ist, auch wenn die Zeiten stürmisch werden. Und sie sind das Konträrprogramm, wenn man mal eine Meinung aus einem anderen Bereich braucht.

Freunde aus dem Netz sind die, mit denen mich beruflich viel verbindet und die recht nah am alltäglichen Geschehen beteiligt sind. Uns halten weniger die Erinnerungen zusammen, sondern eher gemeinsame Werte und Interessen.

Alte Freunde zu haben, die ich lange kenne hat eine andere Qualität als neue Freunde, bei denen unsere Interessen unser verbinden. Damit meine ich nicht, dass letztere oberflächlicher sind, sie gehen schnell sehr tief, sie sind einfach anders. Es ist ein wunderbarer Luxus beides zu haben.

Turbo oder Bremskraftverstärker?

Wirklich hinderlich und schmerzhaft zugleich ist es, wenn uns Freunde davon abhalten, unseren eigenen Weg zu gehen. Freunde wollen nicht, das wir uns verändern. Dann sind wir schließlich nicht mehr die, die sie kennengelernt haben. Was, wenn es dann nicht mehr passt?

Oder was, wenn man nicht ertragen kann mit anzusehen, wie der auf bestem Wege ist das Leben zu kreieren, dass man selbst gern hätte, aber nicht hinkriegt. Aus welchen Gründen auch immer. Ganz schön deprimierend.

Wenn wir einem Menschen wirklich verbunden sind, wollen wir, dass es ihm gut geht, dass sich seine Wünsche erfüllen und dass er das Leben lebt, wofür er gemacht ist. Das heißt eben auch, dass manchmal Menschen, die wir lieben sich auf den Weg um die Welt machen oder sich auf der anderen Seite der Erde niederlassen. Auch dafür gibt es Gott sei Dank das Internet.

Wenn du also gerade dabei bist dich beruflich neu zu orientieren, noch mal ein Studium aufnimmst, dein Job kündigen willst oder total umsatteln, von der Stadt aufs Land ziehen, was auch immer, überlege dir genau, mit wem du das teilst, Gerade am Anfang wo deine Berufungspläne noch ein zartes Pflänzchen sind und sehr schnell platt gemacht werden können.

Und dann wär da noch eine Sache. Wenn ein Freund auf uns zukommt und uns von seiner Idee erzählt, verpassen wir ihm Flügel oder latschen wir drüber über das zarte Pflänzchen mit „wenn das funktionieren würde, hätte das schon längst jemand gemacht“, „Bist du dafür nicht schon ein bisschen alt“, „das geht ja gar nicht, weil….“?

Verbundenheit statt Freundschaft

Jetzt, am Ende des Artikels wird mir klar, dass mir heute – ein paar Monate später –  der Wert Verbundenheit stimmiger erscheint als Freundschaft. Verbunden sein bringt dieses Gefühl der Zugehörigkeit viel mehr zum Ausdruck. Einen anderen Menschen wahrhaftig zu erkennen und zu verstehen und sich ebenfalls gesehen und verstanden zu fühlen, ist eine der tiefsten Erfahrungen, die wir hier machen können.

Ein Fazit – zwei Punkte

Zuallererst müssen wir uns darüber im Klaren sein, wieviel Einfluss wir auf andere Menschen haben. Dass wir mit unserem Sein andere verändern und diese wiederum auf uns Einfluß haben. Wir gehen nach einem Treffen nicht unberührt auseinander. Du kennst sicher das Gefühl,  wenn du nach einem tollen Abend mit Freunden beseelt nach Hause gehst, obwohl du vorher gar keinen Bock hattest und dich kaum aufraffen konntest. Deine Energie hat sich also vervielfacht.

Und wir kennen leider alle auch Beispiele, bei denen es genau anders herum ist.

Der zweite Punkt ist ein AHA. Als ich mich hinsetzte diesen Artikel zu schreiben, weil eben wieder ein Monat vorbei ist und ich nun einmal Freundschaft auf meinen Raunachts-Zettel kritzelte., war ich kurz davor Gründe zu finden, warum das jetzt nicht geht. Und dann tat ich es einfach und siehe da, es ging doch. Es war eine Art Metamorphose von Freundschaft zu Verbundenheit und dieses „fang doch einfach mal an und schau, was passiert“ ist wieder ein Stück tiefer gesickert.

Alles was wir tun oder nicht tun löst in unserer Umwelt etwas aus. Das ich diesen Artikel nun doch geschrieben habe, bewegt in erster Linie etwas in mir. Schön, wenn er auch für andere etwas bewirkt.

Aus einem Gefühl der Verbundenheit heraus treffen wir andere Entscheidungen, als wenn wir denken, dass wir getrennt sind. Sind wir verbunden ist klar, dass alles, was wir in dieses Feld geben, zwangsläufig auch etwas mit uns selbst macht. Lass uns in Verbindung bleiben und uns gegenseitig stärken, denn

die Welt braucht deine leise Power 🦋

 

 

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PS: Dieser Artikel ist Teil meiner Reihe: 1 Jahr, 12 Monate, 12 Werte.  Hier kannst du die anderen Artikel meiner WERTE-Jahresreise nachlesen.

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