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Ich bekam mit Blick zu meiner Nachbarin gerade noch ein, „mir ist ganz komisch“ raus und da lag ich dann auch schon. Plötzlich wuselten ein Haufen Menschen um mich herum.

Was passiert ist?

Ich hatte nicht auf meinen Körper gehört.

Vor vielen Jahren arbeitete ich für eine sehr kurze Zeit in einer Hotline im größten Callcenter Berlins. 1000 Menschen in einem Raum.

Jetzt stell dir vor, das jeder von denen telefoniert. Und dann stell dir weiter vor, dass jeder einen PC hatte, 2 Monitore und sonstigen technischen Kram, Drucker, Headset, Bluetooth. Ach und das Handy nicht zu vergessen.

Dieser Raum war brechend voll von Menschen, Gemurmel und Elektrosmog.

Und ich Sensibelchen da mittendrin. Ich spürte zwar, dass es mir nicht gut tut, doch redete mir ein, dass ich mich schon daran gewöhnen würde. Alles halb so wild. Die anderen kommen ja auch damit klar. Wird schon. Doch mein Körper war schlauer und sagte mir, wo’s lang geht. Nämlich raus da. Und zwar unmissverständlich, als der Notarzt kam. Warum?

Ich kippte einfach um.

Der Notarzt beugte sich zu mir runter, während ich vom Boden aus die Decke anstarrte.

Der Raum, die Menschen, die Technik hatten mich einfach ausgeknockt. Für mich stand fest: hier kannst du nicht weiter arbeiten! Das tust du deinem Körper nicht an und ich zog die Notbremse.

Für Introvertierte eindeutig zu viele Menschen ohne Rückzugsmöglichkeit und für Hochsensible zu viel Technik. Also raus da.

Heißt das nun, dass Callcenter nix für Intros und Hochsensible sind?

Eindeutig: JEIN!

Die Frage muss jeder für sich selbst beantworten.

Was machen hochsensible Introvertierte eigentlich beruflich?

Ich behaupte, dass es bestimmte Berufe für bestimmte Menschen gibt oder besondere Jobs für besondere Talente. Wir sind so einzigartig und es gibt so unterschiedliche Aufgaben. Ich habe in meinem Leben weiß Gott schon ein paar Mal daneben gegriffen, doch kann von mir behaupten, es probiert zu haben.

Mich macht es traurig, wenn ich sehe, wie manche ihre einzigartigen Talente nicht ausleben und sie der Welt – aus welchen Gründen auch immer – vorenthalten. Deshalb möchte ich dich ermutigen, deinen Talenten auf die Spur zu kommen. Wie wäre es, wenn du dich nicht in einen Job zwängst, der nicht zu dir passt und dich stattdessen damit beschäftigst, was sich in dir entfalten will?

Zu viel oder zu wenig Ruhe?

Über die Ruhe in einem Einzelbüro würden sich leise, introvertierte Menschen freuen, Extrovertierte würden vor Einsamkeit eingehen wie eine Primel.

Intros sind oft Tüftler und daher oft im wissenschaftlichen Bereich zu Hause. Auch im IT-Bereich, beispielsweise als Web-Entwickler oder als Mediengestalter. In der schreibenden Zunft sind viele leise Menschen anzutreffen. Und natürlich – der Klassiker – Buchhaltung und Rechnungswesen. Da verschwindet der leise Beamte hinter seinen Papierbergen.

Ist doch so oder?

Es gibt nicht DEN Job für Introvertierte

Es gibt mit Sicherheit redselige Buchhalter und auch stille Verkäufer. Es gibt Branchen, in denen eher intro- oder solche, in denen prozentual mehr extrovertierte Menschen arbeiten.

Es gibt aber sicher nicht den Intro- oder den Extro-Job. Wir sind nunmal (Gott sei Dank) Individualisten.

…nur ein paar Unterschiede.

Genauso wenig wie Intros immer schüchtern sind, haben sie Probleme oder Angst vor Kundenkontakt. Nur weil sie nicht die Smalltalker sind heißt es nicht, das sie nicht gern mit Menschen reden.

Der Unterschied ist, Intros konzentrieren sich gern auf eine (oder wenige) Personen und gehen in Gesprächen gern in die Tiefe. Genau diese Eigenschaft ist herausragend für den Kontakt zum Kunden, da sie extrem gut zuhören können und wirklich den Wunsch haben, den anderen zu verstehen.

„Lassen Sie uns eines klären: Introvertierte Menschen hassen Smalltalk nicht, weil sie Menschen nicht mögen. Wir verabscheuen Smalltalk, weil wir die Hindernisse nicht mögen, die der Smalltalk zwischen den Menschen aufbaut.“ (Laurie Helgoe)

Manche behaupten, Intros seien nicht fürs Netzwerken geeignet… Blödsinn! Durch ihre Empathie und das schon erwähnte gute Zuhören können sie andere ganz gut einschätzen und wissen, wie und wo sie unterstützen können. Das macht aus meiner Sicht gutes Netzwerken aus.

Intros punkten eindeutig im direkten 1 zu 1 Kontakt.

Entscheidend ist doch, dass man tut, was man liebt UND auf sich selbst achtet, denn dann

bist du in deinem Element und in deiner Energie

Wir möchten dazugehören und sind bestrebt, wie die anderen sein zu wollen, doch gleichzeitig streben wir nach Einzigartigkeit.

#1 Akzeptiere, dass du bist wie du bist

Dann verschwendest du deine Energie nicht damit normal sein zu wollen. Hermann Hesse hat es in Demian so ausgedrückt:

„Wer nicht in die Welt paßt, der ist immer nahe daran, sich selber zu finden.“

Also wenn es für dich gerade nicht passt, bleib dabei, du bist nah dran. Lass dich nicht unterbuttern und steck auch nicht den Kopf in den Sand, weil du anders bist (das sind wir schließlich alle). Erhebe deine Andersartigkeit zur Kunstform.

#2 Erlaube dir Ruhe und Rückzug

Du bist kein Freak, nur weil du nach ein paar Stunden mit vielen Menschen Zeit für dich brauchst. Such dir eine stille Ecke, mach Pause, geh um den Block, notfalls verdrückst du dich für ein paar Minuten aufs Klo, wenns nicht anders geht. Raubt dir die Geräuschkulisse um dich rum die Konzentration, versuch es doch mal mit Noice-Cancelling-Kopfhören.

Der Spruch aus der Naturheilkunde: „Wer heilt hat Recht“ fällt mir in diesem Zusammenhang ein. Auch du hast Recht und zwar auf dein Bedürfnis nach Ruhe. Gehe offen mit deinen Bedürfnissen um, dann können deine Kollegen das nachvollziehen und es gibt keine schrägen Blicke, wenn du die Kopfhörer rausholst.

# 3 Sag nicht JA, wenn du NEIN meinst.

Leise Menschen funktionieren oft super für andere, den Chef, die Kollegen oder auch Familie und Freunde. Reibungslos und ohne viel Blabla. Du musst nicht alle zusätzlichen Aufgaben übernehmen, weil es eben schon immer so war. Du musst dir nicht alle Probleme reinziehen, weil du so gut zuhören kannst und die halbe Firma ihr Herz bei dir ausschüttet.

Die Außenwelt weiß nicht, wann es uns zu viel wird, es ist unsere Aufgabe, dass klar und deutlich zu signalisieren.

# 4 Der Fokus deiner Aufmerksamkeit

Die Unsicheren achten zu viel auf die Außenwelt, weil sie gern alles richtig machen und sich anpassen möchten. Sie verlieren den Kontakt zu sich selbst und alles wird zu viel. Genau das führt zum anderen Extrem: die Außenwelt gar nicht mehr an sich heranlassen (zu können) und nur noch um die eigenen Gedanken zu kreisen.

Das ist wie im eigenen Saft zu schmoren. Ab auf die einsame Insel und das Boot versenken.

Wir alle brauchen beides, das Selbstgespräch in der Stille und den Austausch mit anderen. Jeder im ganz eigenen Maß. Egal ob wir uns einen Monat ausklinken, um uns auf einen Berg zurückzuziehen oder ob wir einmal in der Woche/im Monat einen Tag für uns haben. Wir müssen lernen auf unser Körpergefühl zu achten und mit unserer Energie zu haushalten.

Eine kleine Auszeit kannst du dir im kostenlosen Minikurs holen:

# 5 Du musst dich nicht verbiegen

Lass dir nicht einreden, dass du nur erfolgreich sein kannst, wenn du dich in Extraversion übst und lernst „aus dir rauszukommen“. Du bist ok, so wie du bist. Konzentriere dich auf deine Stärken. Sprich Kollegen direkt an, anstatt in Meetings zu diskutieren.

Gerade weil dein Gehirn Informationen anders verarbeitet, ist es in der Lage besonders gut zu analysieren, zu planen oder kreativ zu sein. Braucht aber länger, um Gesagtes zu verarbeiten oder um beispielsweise Informationen in einem Meeting zu verinnerlichen. Gerade weil Intros passionierte Zuhörer und meist auch sehr empathisch sind, sind sie sehr beliebt und genießen großes Vertrauen.

Es gibt wie bei allem zwei Seiten, die sich auf keinen Fall in „besser“ oder „schlechter“ einordnen lassen, sondern in „anders“

# 6 Vertraue deinem Körper

Dein Körper ist ein wunderbares Messinstrument. Vertraue ihm!

Wie viele Menschen halten in ihrem Job aus und durch, aus Angst nix Gleichwertiges (Besseres schon gar nicht) zu finden?

Wenn also:

  • die Chemie krank macht – sei es die zwischen den Kollegen oder giftigen Stoffen, die die Gesundheit gefährden – oder wenn ein cholerischer Chef sich unentwegt Luft macht, während du selbst dich kaum traust selbige zu holen;
  • dein Körper reagiert, weil du unzufrieden bist, mit dem, was du tust

dann wird es Zeit dich selbst wichtig genug zu nehmen und etwas Passenderes zu suchen. Du hast hiermit die offizielle Erlaubnis, dich um dich selbst kümmern zu dürfen ?. (Nur für den Fall, dass da noch Zweifel waren ?) Wenn du noch nach Inspiration suchst, bringt dich vielleicht das Ebook auf Ideen.

Intro, Extro, Normalo, Spezialo

Was ich dir mit all dem sagen möchte: egal ob du Intro, Extro, Normalo, Spezialo bist, mach genau das, was dir Energie gibt, was dir Freude schenkt und dich mit Sinn erfüllt.

Nur weil du feststellst, dass du leiser als andere bist, musst du nicht Buchhalter oder Förster werden (es sei denn du möchtest das liebend gerne). Wir leben in einer Welt der unbegrenzten Möglichkeiten.

Lass dir nicht erzählen, dass ein bestimmter Beruf nicht für introvertierte oder hochsensible Menschen ist. Kann es spezielle Herausforderungen geben?

Klar! Doch ich bin mir sicher, du wirst Lösungen dafür finden. Nicht 08-15, sondern deine.

Folge deiner Freude, lass es dir nicht ausreden (vor allem nicht von dir selbst ?) und dann bastel Stück für Stück an deinem Traumjob.

Ich möchte dir Mut machen, mit deinen individuellen Fähigkeiten und Talenten in alten oder neuen Berufen, mit Studium oder ohne, als digitaler Nomade oder Bürohengst das zu tun, was dich begeistert.

Holm Friebe und Sascha Lobo bringen es in ihrem Buch WIR NENNEN ES ARBEIT so auf den Punkt:

So arbeiten, wie man leben will und trotzdem ausreichend Geld damit verdienen.

Wir erleben gerade einen Transformationsprozess, der Angst machen kann, weil scheinbare Sicherheiten bröckeln. Der es aber auch möglich macht, dass immer mehr Menschen einer selbstbestimmten Arbeit nachgehen, die mit Erfüllung und Freude verbunden ist und die für sie Sinn macht. Nimm die Herausforderung als Chance an.

Was ich erreichen möchte ist, dass immer mehr Menschen nicht länger unglücklich in einem Beruf verharren, nur weil sie ihn mal gelernt haben, sondern die Herausforderungen als Chance begreifen, ihre Einzigartigkeit zu entfalten und in die Welt bringen zu können. Genau für diese Menschen gibt es die Traumjobwerkstatt.

Denn du weißt doch

 

die Welt braucht deine leise Power 🦋

 

 

 

 

PS:  Artikel wie diesen und mehr zum Thema Potenzialentfaltung und berufliche Neuorientierung gibts per Newsletter ins Postfach. Inspirierenden Austausch mit Gleichgesinnten bekommst du in unserer Facebookgruppe.

 

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Titelbild: Amira Meyer, Findhorn Community